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HTML schlägt zurück!
Link: http://www.chip.de/artikel/HTML5-Das-Web-von-morgen_41539437.html
Faszinierend, faszinierend. Wer einen Firefox 3.5 installiert hat und die Beispiele auf der Chip-Seite ausprobiert hat, wird nicht schlecht staunen: Beim Rechtsklick auf die Videos kommt ein browsereigenes Kontextmenü ohne die allseits bekannte Zeile "About Flash Player 10". Ja, es ist wahr: Der Browser kann jetzt Video und Audio ohne Plugins wie Flash, Windows Media Player oder Quicktime abspielen. Das erinnert mich an die Zeiten der ersten Automobile - fahrende Kutschen ohne Pferde. Könnte das Schwarze Magie sein? Knapp verfehlt - die Technologie, die diese teils faszinierenden und teils unheimlichen technischen Demonstrationen ermöglicht, nennt sich HTML5. Ohne einen embed- oder object-Tag mit einer .swf-Datei schafft kann der Browser dank HTML5 Medien abspielen, mit den neuen video- oder audio-Tags. Die Code-Beispiele sind übrigens im Quelltext der Chip-Seite zu sehen.
Es geht sogar noch weiter: Dank des canvas-Tags ist nun sogar möglich, animierte Objekte darzustellen und in diesem sog. Canvas zu bewegen. Das Beispiel mit dem Drag-and-Drop von Chip kann man sich hier genauer ansehen: http://mix10k.visitmix.com/Entry/Details/169 . Das canvas-Objekt besitzt scheinbar keine eigene Logik, sondern wird von einer (sehr kryptisch geschriebenen) JavaScript-Datei gesteuert. Wie genau die Frösche, Baumstämme etc angesteuert werden, ist mir bis jetzt auch noch ein Rätsel. Was ich dabei noch sehr interessant finde, ist die Tatsache, dass die Grafikelemente offenbar nicht als Dateien existieren, sondern aus base64-kodierten Streams erstellt werden. Auch wenn dieses Beispiel vielleicht noch sehr simpel erscheint, so lässt sich hier erahnen, dass durch das canvas-Objekt das lästige Verstecken, Anzeigen und Verschieben von divs in interaktiven Seiten, Browsergames etc entfallen soll. Man darf allerdings nicht vergessen, dass für die Implementierung der Logik wohl nach wie vor das geliebt-gehasste, omnipräsente und non-performante JavaScript herhalten muss.
Was bedeutet das für die Zukunft der Multimedia-Seiten wie Youtube (oder auch Youporn
)? Wird der Flash-Player bald der Vergangenheit angehören? Ich denke nicht, und widerspreche damit ganz deutlich Herrn Steve Jobs, welcher behauptet, dass Flash prähistorisch ist und auf einem modernen Rechner nichts verloren hat. Während HTML5 vielleicht gut genug dazu geeignet ist, Videos und Sounds abzuspielen, so kann es wohl kaum mit der Fülle von Funktionalität mithalten, die man in eine swf-Datei verpacken kann. Stellen wir mal eine kurze Liste der sowohl allgemein als auch von Herrn Jobs angesprochenen Argumente gegen Flash auf:
- Langsam
- Unsicher
- Nicht Bestandteil des Browser
Und nun die Pros:
- Zahlreiche interaktive Funktionen (Webcam etc)
- Kann unabhängig vom Browser Verbindungen öffnen
- Hat sich auf dem Markt durchgesetzt (Youtube etc)
- Wird von Adobe laufend erweitert
Ich bin der Meinung, dass die Pros eindeutig überwiegen. Die Behauptung, dass Flash langsam wäre, ist nur teilrichtig: Es ist spätestens jetzt im Jahr 2010 an der Zeit, einzusehen, dass man für Multimedia-Schnickschnack nun mal einen halbwegs ordentlichen Rechner braucht, ob auf der "normalen" Applikationsebene oder im Browserumfeld. Ich schimpfe doch auch nicht über Battelfield Bad Company 2 weil ich es nicht auf meinem Pentium-II spielen kann. Und jeder vernünftige Enduser sollte verstehen, dass er mit einem PDA (oder etwas Ähnlichem...) nun mal keine Flash-Games spielen und Youtube-Videos schauen kann, jedenfalls nicht so wie auf einem vollwertigen Rechner. Man kann nun mal nicht alles haben. Über das Argument mit den Sicherheitslücken kann ich auch nur lachen: Alles ist zu einem gewissen Grad unsicher - Linux, Windows, WLAN, Bluetooth, ABS, ESP, Kühlschränke, Analvibratoren - warum sollte Flash plötzlich Kritik ernten, weil es gleich dem digitalen Äquivalent von Fort Knox entspricht? Und genauso wie Microsoft laufend Sicherheitsupdates für den Internet Explorer bereitstellt, so stellt Adobe ja auch laufend neuere Versionen vom Flash Player zur Verfügung - wo ist das Problem?
Bemerkenswert finde ich auch, dass der Chip-Artikel Microsofts neue Technologie Silverlight nicht erwähnt. Silverlight hat genau das gleiche Problem wie HTML5: Es hat sich (noch) nicht durchgesetzt - und auch wenn es eine ganz gute Technologie ist, es wird extrem schwer, gegen das altbewährte Flash zu gewinnen. Ich hoffe für Microsoft, dass sie für die Verbreitung von Silverlight ein IMMENS großes Budget und IMMENS viel Geduld eingeplant haben. Sowohl die Verfechter von HTML5 als auch Microsoft haben meiner Meinung nach vergessen, was es für ein jahrelanger Kampf war, einen Standart für Multimedia-Wiedergabe auf Webseiten zu entwickeln. Noch immer geistern im WorldWideWeb genug Seiten herum, die ein Quicktime-, RealPlayer- oder WindowsMedia-Plugin zum Abspielen ihrer Videoinhalte erfordern. Die erste wirklich stabile, regelmäßig gewartete und plattformunabhängige Lösung zum Abspielen von Multimediainhalten ist und bleibt nun mal Adobe Flash - und selbst der Flash Player hat es aufgrund des Installationsaufwandes noch nicht auf die Rechner vieler Unternehmensnetzwerke geschafft. Dieser Standart hat sich (primär dank Youtube) erst vor einigen Jahren richtig eingestellt und wird es wohl noch ein Weilchen bleiben, vor allem wenn Flash auch weiterhin fleißig weiterentwickelt wird.
Es geht einfach darum, zu verstehen, dass sich Standarts nicht so schnell ändern. Eine schnelle und radikale Änderung wäre nur dann möglich, wenn sich plötzlich alle Portale, die Flash verwenden, dazu entschließen würden, das besagte über Bord zu werfen und auf HTML5 oder Silverlight umzusteigen. Zu diesen Portalen zählen in erster Linie Youtube, Facebook (wegen den Flash-Spielen), Youporn, Metacafe, Vimeo, PicasaWeb (und unzählige andere Portale) sowie Anbieter diverser Browsergames. Welch horrenden Mengen von LSD im Trinkwasser doch nötig sein müssen, um die Betreiber der genannten Portale dazu zu bewegen, Flash abzuschaffen und somit einen 90%igen Rückgang der Benutzer zu akzeptieren...
In diesem Sinne: Gestern Flash, heute Flash, morgen Flash. Immer Flash.






