| « Neuenkirchen: Großer Blumenkübel zerstört - die Welt erzittert in Angst und Panik | Neuer Look für mein Geschreibsel » |
Eine Totenklage für die Google-Bildersuche
Link: http://www.google.com/images
Alles, was einen Anfang hat, hat leider auch ein Ende. Milliarden von Internetnutzern haben vor einigen Tagen einen treuen Freund und Partner verloren: Die Bildersuche von Google. Liebe Leser, ich rufe hiermit zu einer Schweigeminute auf.
... 60 sek
... 30 sek
So, Minute vorbei. Wie bei jeder Totenrede erzähle ich jetzt die Lebensgeschichte der Google-Bildersuche. Angefangen hat alles im Januar des Jahres 1998, als das Unternehmen Google Inc. gegründet wurde. Wie diverse andere Suchmaschinen bot Google neben der Suche nach textuellen Inhalten auch eine Bildersuche an, die soweit auch ausgezeichnet funktioniert hat. Diese Bildersuche ist zum aktuellen Zeitpunkt noch auf der deutschen Version der Google-Bildersuche zu sehen. Man gibt einen Suchbegriff ein, und im Viewport erscheinen mehrere Zeilen mit Vorschaubildern der Bildergebnisse. Bei meiner Bildschirmauflösung von 1920x1080 sind das drei Zeilen und sechs Spalten. Am unteren Rand der Seite sind die nächsten zehn Ergebnisseiten zu sehen, sowie die Links "Vorwärts" und "Zurück". Das ist seit je her das Mittel der Wahl, um große Listen oder Tabellen seitenweise darzustellen.
Seit 2009 existiert eine weitere bekannte Suchmaschine von Microsoft mit dem Namen Bing . Diese Suchmaschine kann - genauso wie Google - unter Anderem textuelle Inhalte, Bilder und Videos finden. Die Indexierung ist weitgehend in Ordnung, somit sind die Ergebnisse von Bing durchaus brauchbar. Nichtsdestotrotz kann Bing wohl kaum mit der Popularität von Google mithalten. Einer der Gründe für die eher mäßigen Erfolge von Bing ist meiner Meinung nach die Darstellung der Bildersuchergebnisse. Die Ergebnisse werden nämlich ALLE auf EINER einzigen Seite angezeigt, ohne eine Aufteilung in Ergebnisseiten. Um nicht das halbe Internet in den Browser zu laden, verwendet die Webseite dabei einen Trick: Beim Runterscrollen werden weitere Inhalte dynamisch nachgeladen. Ab einem bestimmten Punkt (wahrscheinlich bei 1000 Bildergebnissen) wird nicht mehr nachgeladen, und das Suchergebnis ist nun vollkommen: Ein gigantisches div-Element mit hunderten von Vorschaubildern. Ich frage mich, wer diese hirnrissige Idee in die Welt gesetzt hat. Zu den Nachteilen dieser Darstellung gehören:
- Eine relativ hohe Belastung für den Browser aufgrund der Bilder (Iron-Taskmanager meldet 120kb für den Tab)
- Weitere Browserbelastung durch die Ausführung des Javascripts für das Nachladen
- Ein völliger Übersichtsverlust der Suchergebnisse, d.h. wenn man einmal runtergescrollt hat und ein Ergebnis weiter oben sehen will, muss man es wieder suchen und keine Seitenzahl als Anhaltspunkt.
- Eine Belastung für den Mittelfinger und das Mausrad des Benutzers (verdammt, ich hatte nach dem Gescrolle einen Krampf in der Hand! Ich glaube, ich verklage Microsoft auf 20.000 Euro Schmerzensgeld)
So verhält es sich bei Bing, und ich war mir bis jetzt eigentlich sicher, dass diese Probleme bei den Layout-Verantwortlichen bei Google belächelt wurden. Schließlich hatte Google bis dato ein bequemes, browser- und benutzerfreundliches Layout bei der Darstellung der Bildersuche. Doch nun hat Google das unglaubliche getan: Sie haben das Layout von Bing übernommen, obwohl es eigentlich genau umgekehrt sein sollte. Warum lernen in dieser Welt plötzlich die Besseren von den Schlechteren? WARUM? Dem aufmerksamen Betrachter wird aufgefallen sein, dass die Suchoptionen bei der Googles Bildsuche vom oberen zum linken Bildschirmrand gewandert sind, wo sie bei Bing von Anfang an zu finden waren. Das ist sicherlich durchaus sinnvoll, und somit ist es verständlich, dass Google diese Änderung übernommen hat. Aber das bedeutet doch nicht, dass man gleich alles von Bing nachäffen muss...
Google hat das Nachladen der Bilder übrigens etwas anders geregelt: Nach wahrscheinlich 1000 Bildern ist die Seite zu Ende und erweitert sich auch nicht durch das Scrollevent des Browsers, allerdings kann man unten eine Schaltfläche drücken, die nochmal so viele Ergebnisse nachlädt. Das ist jedoch nur einmal möglich, eine dritte Portion von Bildern kann man (zur Zeit jedenfalls) nicht mehr nachladen, die Maximalanzahl der Suchergebnisse ist erreicht. Als ob das alles nicht schon schlimm genug wäre, Google hat noch eins draufgesetzt: Die Bilder werden nicht tabellarisch dargestellt, sondern quasi direkt hintereinander, wobei ihre Breite berücksichtigt wird. Das bedeutet, dass in eine Zeile mit mehr schmalen Bildern auch mehr Ergebnisse enthält als eine Zeile mit breiteren Bildern. Es wird kein Gitternetz eingehalten, wie es bei Bing der Fall ist. Dadurch bekommt die Ergebnisseite das Aussehen einer künstlerischen Kollage und nicht das eines strukturierten Suchergebnisses. Beim Mouseover wird jeweilige Bild etwas vergrößert und verdeckt damit teilweise andere Bilder. Ich kann mir nur einen Grund für diese Entscheidung vorstellen: Google hat Probleme mit der Serverkapazität und deswegen wollen die Verantwortlichen durch dieses abscheuliche Interface Benutzer abschrecken und davon abhalten, die Bildersuche zu verwenden.
Mir ist soeben eine Parallele zur Darstellung der Bildergebnisse in den Sinn gekommen: In der Antike wurden Texte oft auf Papyrusrollen (engl. "scroll" - von daher auch "scrollen", klingelt's??) geschrieben, nicht in Bücher mit Seiten wie heute. Diese Papyrusrollen konnten durchaus lang sein, deswegen war jedes Ende an einer Art Walze aus Holz befestigt. Man konnte den Text so auf die beiden Walzen aufrollen ("to scroll"), dass man die gesuchte Textstelle vor sich hatte. Irgendwann in der späteren Antike wurden diese Rollen jedoch von den Büchern abgelöst, wie wir sie heute kennen - mit Seiten zum Umblättern. Das war schließlich viel bequemer als die Papyrusrolle. Warum geht also Bing den umgekehrten Weg und bevorzugt die digitale Papyrusrolle vor der konventionellen, seitenweisen Darstellung? Und warum macht Google diesen Unsinn nach?
Doch das ist nicht genug, es wird alles noch schlimmer. Wenn man bei Google nun so ein Bild anklickt, gelangt man nicht mehr zur gewohnten Darstellung mit den Bilddetails im oberen Teil der Seite und der Webseite des Bildes im unteren. Stattdessen wird eine sog. Lightbox mit dem Bild in verkleinerter Größe aufgerufen, während die Webseite hinter einem grauen Schleier im Hintergrund zu sehen ist. In diesem Zustand ist die Webseite weder bedienbar noch scrollbar. Um zur Seite zu gelangen, muss man die Lightbox schließen. Durch den Klick auf den Schließen-Button wird einfach die Webseite des Bildergebnisses aufgerufen, ohne irgendwelche Google-Elemente. Man kann somit also die gesamte Webseite nach dem Bild durchsuchen, und es ist nirgends mehr das Vorschaubild zu sehen. Die Lightbox verursacht eine massive Belastung für den Browser, besonders dann, wenn ein großes Originalbild verkleinert dargestellt werden muss. Die Verkleinerung wird nämlich (anders als bei den Vorschaubildern) nicht von Google erledigt. Das Bild behält seine URL bei, es wird lediglich in der größe der Lightbox dargestellt. Dieses Problem gab es vor vielen Jahren, wenn z.B. Benutzer in Foren, Blogs oder CMS-Systemen Bilder von ihrer Digitalkamera in Originalgröße hochgeladen und in einem img-Tag mit fester Breite und Höhe angezeigt haben. Wer diese Erfahrung nicht kennt, darf das gerne mal mit 5-10 Bildern auf einer HTML-Seite probieren. Der Browser wird einen langsamen und qualvollen Tod sterben. Ich dachte eigentlich, dass wir in Zeiten von GDlib über diese Probleme hinweg sind - aber scheinbar sind solche Dinge genauso wie Papyrusrollen plötzlich wieder in. Um der Mode voraus zu sein, hole ich mir am Besten gleich einen Lendenschurz und eine Keule -.-
Vielleicht dringt diese Idee ja sogar bis in den Buchdruck vor und vielleicht können wir demnächst Harry Potter auf einer verdammten FAXROLLE lesen, nur weil das ach so modern und innovativ ist und Bing und Google das ja auch so machen?? Und wie wäre es, wenn ich meinen Blog so umstelle, dass alle Posts seit Beginn meiner Schreibkarriere auf einer einzigen Seite dargestellt werden?
Eines steht fest: Für mich ist die Bildersuche von Google hiermit gestorben. Ich werde in Zukunft nur noch Yahoo und Altavista verwenden, bei denen die Bildersuche immernoch benutzerfreundlich ist. Ich hoffe, dass dies Betreiber dieser beiden Suchmaschinen mehr Hirn im Kopf haben und nicht auch mit dem Papyrusrollen-Trend mitziehen.
So long
- Oleg
P.S.: Ein Freund hat mir gerade folgenden Hinweis gegeben: Bei Google kann man ganz am unteren Rand der Seite auf "Switch to basic version" klicken. Das bereitet dem Grauen ein Ende. Allerdings wird diese Einstellungen ersten Erkenntnissen nach nicht im Cookie gespeichert und ist nur für die aktuelle Suche gültig... Mal sehen, ob das noch geändert wird.





