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Server der Piratenpartei offline geschaltet und beschlagnahmt
Link: http://bit.ly/izsOnS
Was für eine Überraschung: Zwei Tage vor der Landtagswahl in Bremen (22. Mai 2011) wurden die Webserver der Piratenpartei im Zuge eines Durchsuchungsbefehls abgeschaltet, wodurch die Webseite auch offline gegangen ist. Diese Aktion schaut gerade wegen der zeitlichen Nähe zur Landtagswahl auf den ersten Blick eigentlich aus wie ein heimlicher Versuch der Regierung, die Opposition zu kriminalisieren. Dennoch scheint es eine (wenn auch sehr schwache) Rechtfertigung für dieses Vorgehen zu geben: Angeblich wurde der Webdokument-Kooperationsdienst namens "Piratenpad" von Anonymous verwendet, um einen Hackerangriff auf französische Atomkraftwerke zu ermöglichen.
Es sollen ersten Berichten zufolge SSH-Keys von Webservern des französischen Energiekonzerns EDF und eine Anleitung für DoS-Angriffe gefunden worden sein. Inwieweit diese Information für bare Münze genommen werden soll, ist momentan schwer abzuschätzen. Nichtsdestotrotz ist dieser staatliche Übergriff vollkommen überzogen und fehl am Platz. Die Aktion erinnert schon fast an die Methoden der US-Geheimdienste, die nicht davor zurückschrecken, kleine Kinder zu verhören, weil diese den Namen "Osama Bin Laden" auf Facebook erwähnt haben (siehe hier ).
Die Piratenpartei hat sich den Ermittlern gegenüber kooperationsbereit gezeigt - eine andere Reaktion würde wohl auf kurz oder lang zu einem Parteiverbot führen (während die Nazis weiterhin rassistische Demos veranstalten dürfen... aber hey, sie haben keine Server, auf denen sich Hacker treffen!). Eine kurze Stellungnahme der Partei kann man übrigens hier nachlesen: Piratenpartei Deutschland
Was lernen wir aus diesem Schwank? So wie bei der Panikmache um terroristische Angriffe, die in Kofferphobien geendet hat und jeden arabisch aussehenden Mitbürger unter Generalveracht stellt, haben auch bei der Angst vor Hackerangriffen alle Beteiligten (und unbeteiligten) die Hosen voll. Randvoll. Und wisst ihr was? Das ist gut. Egal, ob der Verdacht nun stimmt oder nicht, egal, ob auf dem Piratenpad wirklich SSH-Keys verschickt wurden oder nicht, egal, ob irgendwelche Hacker tatsächlich EDF im Visier hatten oder nicht - wie auch immer die Geschichte ausgeht, es zeigt sich auf jeden Fall, dass eine gewisse Ehrfurcht vor Internetaktivisten herrscht. Es ist eigentlich schade, dass man in einem demokratischen Staat zu drastischen Mitteln wie Hacken von Webseiten greifen muss. Aber wer Bundestrojaner verteilt, Bürger durch Vorratsdatenspeicherung überwacht und auch noch mit dem Gedanken einer Internetzensur spielt, braucht sich nicht wundern, wenn entsprechende Reaktionen vom Volk zurückkommen und z.B. polizei.de mal einen kleinen Aussetzer hat:
PING polizei.de (80.245.147.48) 56(84) bytes of data.
^C
--- polizei.de ping statistics ---
24 packets transmitted, 0 received, 100% packet loss, time 23186ms
(Gemessen am 21.05.2011 um 0:49... nicht schlecht, Herr Specht!)
Mal sehen, vielleicht hocke ich mich demnächst mal mit meiner Guy-Fawkes-Maske und Laptop auf eine Parkbank vors Polizeipräsidium und klappe /var/log/syslog auf, schön in einer grün-schwarzen Konsole. Das schaut ja dann richtig bedrohlich aus
. Mal schauen, wie schnell die Beamten mich reinbitten ;-)






