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Back from the Chaos
Link: http://events.ccc.de/congress/2011/wiki/Welcome
Auch dieses Mal, im Jahre 2011, war ich auf dem Chaos Communication Congress in Berlin. Auf dem inzwischen seit 28 Jahren stattfindenden (darum auch der Name 28C3) Event finden sich gesellschaftlich, politisch und technologisch interessierte Menschen zusammen und lauschen diversen interessanten Vorträgen von Fachleuten verschiedener Gebiete. Die wichtigsten Themen dabei sind digitale Sicherheit, Internetpolitik, Technologienutzung und -missbrauch und der Umgang von Regierungen mit Bürgerrechten. Zusätzlich gibt es Workshops, Infostände verschiedener Organisationen und kleine Projekte rund um Hacking und Hardware. Die Vorträge wurden auch live gestreamt und die offiziellen Aufnahmen können inzwischen in einer hervorragenden Bild- und Tonqualität heruntergeladen werden: http://mirror.fem-net.de/CCC/28C3/
Konkret gesehen muss man sich das Berliner Congress Center vorstellen, in dem drei große Räume inklusive dem Raum mit der Kuppel für Vorträge genutzt werden, während im gemütlichen, dunklen Keller - ähnlicher einer LAN-Party - Tische zur Verfügung stehen, an denen Hacker ihre Kampfstationen aufbauen können. Es gab auch allerhand technische Kuriositäten wie Wählscheibentelefone, Quadrokopter und kreative Arduino-Boards zu bestaunen.
Auf dem CCC war für alles gesorgt: Es gab sowohl kabellose als auch kabelgebundene Internetzugänge, ein eigenes, kostenloses GSM- und DECT-Netz sowie eine hervorragende Verpflegung direkt in der Lounge - natürlich inklusive dem in der Hackerszene sehr beliebten Wachmacher Club Mate. Im Grunde musste man den Kongress nur verlassen, um zum Schlafen das Hotel aufzusuchen, was aber dank des gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsnetzes kein Problem ist.
Was das Inhaltliche angeht, so habe ich viel Neues gehört und ein Großteil der Vorträge hat auch bereits vorhandene Tendenzen und Entwicklungen genauer unter die Lupe genommen. Auch wenn ich mich natürlich immer freue, mein Wissen im Bereich Sicherheit, Überwachung, Internetpolitik, etc zu vertiefen oder zumindest dank der Vorträge Einstiegspunkte in die Thematiken zu finden, so ist meine Stimmung nach dem Kongress doch etwas bedrückt. Wie bereits nach dem 27C3 im Jahr 2010 sind mir viele der aufgedeckten und vorstellten (Un)dinge durchaus unter die Haut gegangen. Man liest ja oft abstrakte Texte über alle möglichen Probleme wie repressiven Regierungen, Machtmissbrauch und Überwachungswahn, aber wenn man tatsächlich jemanden live über die Themen reden hört, wird es einem erst richtig bewusst. Während Zensur und Überwachung in vielen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens bereits großflächig und relativ offensichtlich angewendet werden, bedienen sich die westlichen Regierungen subtilerer Methoden. Paradebeispiele hierfür sind der Bundestrojaner oder das umstrittene und stark kritisierte Bündnis White IT.
Fazit der Sache ist: In einer gesunden Demokratie ist es von höchster Wichtigkeit, dass Bürger die Entscheidungen ihrer Regierungen kritisch analysieren und bei Bedarf dagegen protestieren. Glücklicherweise existieren diverse Vereinigungen wie der FoeBuD e.V. mit dem Arbeitskreis AK Vorrat, der CCC und weitere deutschlandweite oder internationale Vereinigungen, die dem Gesetzgeber auf die Finger schauen und bei bestimmten Themen bereits mit Abgeordneten und anderen Verantwortlichen Kontakt aufgenommen haben. Solche Vereinigungen sind meiner Meinung nach immer unterstützenswert und man sollte als Bürger eines demokratischen Landes die von ihnen kritisierten politischen und technologischen Aspekte zumindest durch den Kopf gehen lassen.
Nundenn, langsam kehren für mich auch wieder die Normalität und der gewohnte Tagesablauf wieder ein. Aber mit dem neu erworbenen Wissen vom Kongress sehe ich die digitale Welt mit all ihren Entwicklungen mit etwas anderen Augen und einer großen Portion Skepsis, Vorsicht und Kritik. In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein frohes neues Jahr 2012 1984!
So long
- Oleg





